{"id":171,"date":"2014-08-01T07:00:53","date_gmt":"2014-08-01T05:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/sei-haltbar.de\/?p=171"},"modified":"2014-08-04T13:46:30","modified_gmt":"2014-08-04T11:46:30","slug":"essen-auf-raedern-mal-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medienplattform.wmk-karlsruhe.de\/sei-haltbar-de\/2014\/08\/essen-auf-raedern-mal-anders\/","title":{"rendered":"Essen auf R\u00e4dern mal anders"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-431\" src=\"http:\/\/sei-haltbar.de\/wp-content\/uploads\/Biovelo_Beitrag.jpg\" alt=\"Biovelo_Beitrag\" width=\"1600\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/medienplattform.wmk-karlsruhe.de\/sei-haltbar-de\/wp-content\/uploads\/Biovelo_Beitrag.jpg 1600w, https:\/\/medienplattform.wmk-karlsruhe.de\/sei-haltbar-de\/wp-content\/uploads\/Biovelo_Beitrag-300x112.jpg 300w, https:\/\/medienplattform.wmk-karlsruhe.de\/sei-haltbar-de\/wp-content\/uploads\/Biovelo_Beitrag-1000x375.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><\/p>\n<h2>Essen auf R\u00e4dern mal anders<\/h2>\n<p>Einigen Passanten d\u00fcrfte der gro\u00dfe silberne Fahrradanh\u00e4nger mit der Aufschrift \u201eBiovelo\u201c vielleicht schon aufgefallen sein. Jeden Dienstag ist er in der Karlsruher West- und Innenstadt zu sehen. Sein Inhalt: Frisches, biologisches Obst und Gem\u00fcse. Auf Bestellung wird es den Kunden, im wahrsten Sinne des Wortes, direkt vor die Haust\u00fcre gefahren. Zusammen mit einer Studentengruppe aus Mannheim hat die IL-KA (Integration &amp; Leistung Karlsruhe gGmbH) das Konzept ins Leben gerufen. Wir wollten mehr dar\u00fcber erfahren und haben uns mit dem Initiator des Projekts getroffen.<\/p>\n<p>Von Jan Dreher und Martin Ehrenfeuchter<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die Idee ist ja insofern charmant und auch interessant, weil es bei dem Projekt um was Doppeltes geht.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Sei-haltbar.de<\/strong>: <em>Herr Held, Sie sind sozusagen der Erfinder von \u201eBiovelo\u201c. Welche Idee steckt hinter Ihrem Projekt?<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><b>Herr Held<\/b>: Die Idee hinter dem Projekt ist eine \u00dcbertragung einer urspr\u00fcnglichen Idee von Studenten aus Mannheim, die einen Lieferservice f\u00fcr Obst und Gem\u00fcse f\u00fcr Langzeitarbeitslose aufgebaut haben. Davon habe ich \u00fcber einen Zeitungsartikel Wind bekommen, mit den Leuten Kontakt aufgenommen und dann sind wir in Austausch getreten. Der Hintergrund f\u00fcr die IL-KA ist der, dass wir anders als in Mannheim, nicht mit Arbeitslosen zu tun haben, sondern mit Menschen mit Handicap. Das bedeutet ich betreue, initiiere und treibe Projekte voran, die zu tun haben mit Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt f\u00fcr Menschen mit Handicap.<\/p>\n<p><b>Sei-haltbar.de<\/b>: <em>Was hat sie dazu bewogen, solch ein Projekt zu starten?<\/em><\/p>\n<p><b>Herr Held<\/b>: Der Initialschuss stammte von dieser studentischen Gruppe aus Mannheim. Das ist eine spannende Geschichte. \u201eEnactus\u201c hei\u00dfen die. Das sind Studenten in h\u00f6heren Semestern, die sich mit der Entwicklung nachhaltiger Projekte besch\u00e4ftigen. Sie entwickeln diese Projekte bis zur Fertigstellung mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, allem was dazu geh\u00f6rt und suchen sich dann einen lokalen Partner aus dem sozial-wirtschaftlichen Bereich, der das \u00fcbernimmt und dann in der Folge weitertreibt. Das hat mich irgendwie angesprungen.<\/p>\n<p><b>Sei-haltbar.de<\/b>: <em>Wie viele Menschen sind insgesamt an diesem Projekt beteiligt?<\/em><\/p>\n<p><b>Herr Held<\/b>: Wir haben etwa 35 Mitspieler. Von der studentischen Gruppe \u00fcber Mediendesigner und \u00d6ffentlichkeitsarbeiter bis hin zum Schwei\u00dfer und Beschrifter und so weiter. Zurzeit haben wir etwa zehn Beteiligte, das hei\u00dft Aktive, die etwas tun: Buchhaltung, Logistik, Anlieferung.<\/p>\n<p><b>Sei-haltbar.de<\/b>: <em>Die Waren, die Sie verteilen, sind Obst und Gem\u00fcse. Woher beziehen Sie diese Produkte?<\/em><\/p>\n<p><b>Herr Held<\/b>: Die Ware stammt von unserem Kooperationspartner, der Bioland G\u00e4rtnerei Schm\u00e4lzle in Sinzheim bei Baden-Baden. Das, was an Produkten verteilt oder ausgefahren wird, stammt von Schm\u00e4lzle, wird mit den Sprinter angeliefert und dann auf das Fahrrad umgesetzt, mit dem dann unsere\u00a0Kundschaft beliefert wird. Das wird dann einmal in der Woche an die Haust\u00fcre gebracht.<\/p>\n<p><b>Sei-haltbar.de<\/b>: <em>Warum beliefern Sie Ihre Kunden ausschlie\u00dflich mit dem Fahrrad?<\/em><\/p>\n<p><b>Herr Held<\/b>: Die Idee ist ja insofern charmant und auch interessant, weil es bei dem Projekt um was Doppeltes geht. Das Eine ist die Besch\u00e4ftigung von Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt, das ist das prim\u00e4re Anliegen der IL-KA, also eine sinnvolle, f\u00fcr die Leute wertvolle T\u00e4tigkeit. Das Zweite ist, wir haben es mit einem Biolandwirt zu tun, bei dem \u00d6kologie und CO2\u2013Geschichten mit eine Rolle spielen. Und an der Stelle kommen diese beiden Sachen zusammen. Georg Schm\u00e4lzle ist ein reiner Biolandproduzent nach den EU-Kriterien und legt gro\u00dfen Wert darauf, dass so wenig Ressourcen wie m\u00f6glich verschleudert werden. Deshalb liefern wir mit dem Fahrrad aus. So klein das Projekt im Moment auch noch ist, es ist beispielgebend f\u00fcr andere Modelle dieser Art. Von daher kommt das nicht von ungef\u00e4hr. Es gibt aktuell den Landesinklusionspreis vom Sozialministerium Baden\u2013W\u00fcrttemberg, und wir sind nominiert f\u00fcr diesen Preis, wegen der Qualit\u00e4t dieses Konzeptes.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir sind nominiert f\u00fcr diesen Preis, wegen der Qualit\u00e4t dieses Konzeptes.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p><b>Sei-haltbar.de<\/b>: <em>Gab es am Anfang irgendwelche Hindernisse, die man \u00fcberwinden musste, um das Projekt in Karlsruhe zu etablieren?<\/em><\/p>\n<p><b>Herr Held<\/b>: Ja, also Hindernisse insofern, dass man zun\u00e4chst einmal nur die Idee hat. Und wie es bei allen laufenden Projekten ist, wird erst mal tage- und wochenlang dar\u00fcber gebr\u00fctet. Dann hei\u00dft es Strippen ziehen und Leute ansprechen ohne Ende. Ich hatte so etwa zehn bis f\u00fcnfzehn sogenannte Biobetriebe im Gro\u00dfraum Karlsruhe, die habe ich \u00fcber pers\u00f6nliche Ansprache, \u00fcber Nachfragen, \u00fcber das Internet herausgefiltert und bin dann punktgenau bei Georg Schm\u00e4lzle gelandet. Er sagte: \u201eAuf Ihren Anruf habe ich gewartet, die Idee schwebt mir schon seit zehn Jahren durch den Kopf \u2013 wir machen das!\u201c Und dann ist es eine Mischung aus professioneller strategischer Planung und gl\u00fccklichen Zuf\u00e4llen. Also, man kann noch so schlau sein und m\u00f6glicherweise auch die Geldmittel zur Verf\u00fcgung haben, wenn da nicht eine Portion Gl\u00fcck dabei ist &#8230;<\/p>\n<p><b>Sei-haltbar.de<\/b>:<em> Sie haben das Geld angesprochen. Finanziert sich das Projekt ausschlie\u00dflich \u00fcber den Verkauf des Obstes, oder gibt es noch weitere Einnahmen?<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><b>Herr Held<\/b>: Prim\u00e4r \u00fcber den Verkauf des Obstes. Dann ist es aber so, dass wir als gemeinn\u00fctziges Unternehmen im Bereich der Sozialwirtschaft F\u00f6rdergelder aus der \u00f6ffentlichen Hand bekommen. Mit ein bisschen Gl\u00fcck und Klinkenputzen auch F\u00f6rdergelder \u00fcber Stiftungen. Das bewegt sich dann in erster Linie auf der materiellen Ebene \u2013 Anschaffung von Wirtschaftsg\u00fctern, Fahrrad, Anh\u00e4nger, Beschriftungskosten.<\/p>\n<p><b>Sei-haltbar.de<\/b>: <em>Aus Sicht eines potentiellen Kunden: Was kostet mich so eine \u201eBiokiste\u201c?<\/em><\/p>\n<p><b>Herr Held<\/b>: Das ist unterschiedlich, das kann man \u00fcber das Portal von Bioland Schm\u00e4lzle erfahren. Es gibt zwischen 21 und 23 Angebote, aus denen man ausw\u00e4hlen kann. Das h\u00e4ngt dann von der Geschmacksrichtung ab oder von der Gr\u00f6\u00dfe des Haushalts. Man kann genau ausw\u00e4hlen, was man geliefert haben m\u00f6chte. Das wird dann dementsprechend gepfl\u00fcckt, verpackt und ausgeliefert.<\/p>\n<p><b>Sei-haltbar.de<\/b>: <em>Herr Held, momentan beliefern Sie ihre Kunden nur einmal pro Woche. Wo sehen Sie das Projekt in f\u00fcnf Jahren?<\/em><\/p>\n<p><b>Herr Held<\/b>: Wir wollen es erweitern, das ist der Anfang. Es hat sich jetzt alles stabilisiert. In f\u00fcnf Jahren soll das gesamte Stadtgebiet Karlsruhe beliefert werden. Wir sind jetzt in der West- und Innenstadt. Die n\u00e4chsten beiden Touren sind die Nordwest- und S\u00fcdweststadt. Dann geht es weiter Richtung Dammerstock und R\u00fcppur. Aber ein Schritt nach dem anderen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einigen Passanten d\u00fcrfte der gro\u00dfe silberne Fahrradanh\u00e4nger mit der Aufschrift \u201eBiovelo\u201c vielleicht schon aufgefallen sein. Jeden Dienstag ist er in der Karlsruher West- und Innenstadt zu sehen. Sein Inhalt: Frisches, biologisches Obst und Gem\u00fcse. 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